RAL 9010 oder 9016 – und warum die Frage eigentlich die falsche ist."
- Nicola Bushuven
- 27. Feb.
- 3 Min. Lesezeit

RAL 9010, 9016 oder 9003 – welches Weiß ist Ihres?
Weiß ist nicht weiß. Wer das noch nicht wusste, erfährt es spätestens beim ersten Angebot vom Maler.
RAL-Farben sind die Industriestandards – verlässlich, reproduzierbar, überall erhältlich. RAL steht übrigens für "Reichsausschuss für Lieferbedingungen", gegründet 1925 – ursprünglich nicht für Farben allein, sondern für einheitliche Qualitätsstandards in der Industrie. Inzwischen hat das Institut auch eine Designlinie entwickelt, und die Farbwelt ist längst nicht mehr nur Handwerkersache.
Ein Tipp für jeden Bau- oder Umbau: Sie können im Institut Musterkarten zu der der RAL Farben bestellen, in unterschiedlichen Formaten. Das ist viel besser als diese kleine Briefmarken aus einem Farbfächer und Sie können diese Karten zum Fliesenaussuchen mitnehmen. Farben kann man sich nicht merken – und auf dem Bildschirm lügen sie sowieso. Und selbstverständlich gibt noch tausend andere Farbkollektionen und jede hat ihren Reiz. Es gibt einen Grund, warum ich ein ganzes Regal voller Farbfächer habe. Wirklich, ein ganzes Regal. Heute aber nur über die RAL-Weißtöne. Kurz und übersichtlich.
RAL 9010 – Reinweiß
Das klassische Weiß. Bis etwa 2000 bekamen Sie dieses Weiß, wenn Sie beim Maler nichts weiter spezifizierten. Es hat einen leicht warmen, cremigen Unterton – schön neben Holz, gut in südlichen Räumen mit warmem Licht.
Aber Achtung: Neben RAL 9016 wirkt es gelblich. Kombinieren Sie die beiden nie, wenn sie direkt nebeneinanderstehen.
RAL 9016 – Verkehrsweiß
Das moderne Weiß. Kühler, klarer, reiner. Mit LED-Beleuchtung und zeitgenössischen Materialien ist es zur ersten Wahl geworden – für Küchen, Fensterrahmen, glatte Oberflächen. Es steht für sich. Wer "frisch" und "klar" denkt, denkt 9016.
RAL 9003 – Signalweiß
Das sind die Mutigen. Signalweiß ist das lauteste der drei – bläulich-klar, fast schon provokativ weiß. In der richtigen Umgebung wirkt es fantastisch: moderne Architektur, klare Linien, bewusste Reduktion. In der falschen Umgebung friert ein Raum ein. Es ist in den letzten Jahren ein bisschen in Mode gekommen, aber mir persönlich ist es zu brutal für Wohnräume.
Kein Weiß ohne Farbe.
Keine Farbe steht für sich allein – nicht einmal Weiß. DasselbeWeiß sieht auf Putz anders aus als auf Lack, auf Holz anders als auf Metall. Dafür gibt es zwei wesentliche Gründe:
Erstens der Glanzgrad. Glänzende Oberflächen stehlen sich etwas von ihrer Umgebung. Eine hochglänzende Küchenfront in RAL 9016 kann auf einem Eichenparkett plötzlich cremig wirken – weil sie das Warm des Holzes reflektiert. Matt bleibt, was es ist. Hochglanz reflektiert nicht nur das Licht, sondern auch die Farben. (Ja, ich weiß - Farbe ist Licht, aber lassen wir diesen technsichen Aspekt einmal beiseite.)
Zweitens: ob eine Farbe "steht" oder "liegt". Eine Wand ist eine stehende Fläche, ein Fußboden, eine Arbeitsplatte oder ein Tisch eine liegende. Stehende Farben wirken im Raum immer etwas dunkler als liegende – das Licht trifft sie anders. Wer das ignoriert, wundert sich hinterher warum der Fußboden so viel heller wirkt als die Wand, obwohl beide aus dem gleichen Topf kamen.
Und dann ist da noch das Sonnenlicht – Morgen-, Mittags- oder Abendlicht, Nord- oder Südfenster. Aber das ist ein eigenes Thema. Ich habe unsere Gartenmauer in einem Weiß gestrichen, dass sich in der Abendsonne in ein ganz zartes Rosa verwandelt. Und freue mich jeden Sommer darüber. So leicht bekommt man ein Karibik-Feeling im platten Münsterland.
Welches Weiß zu Ihrem Projekt passt, hängt von all dem ab – und genau das bespreche ich in der Farbberatung.


