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So weiß wie Schnee...

  • Nicola Bushuven
  • 12. März 2019
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 6 Tagen





Über die reinste Nichtfarbe - und warum sie alles andere als einfach ist.



weißer Tisch mit weißem Porzellan



Weiß ist keine Farbe? Von wegen!



Nichtfarben spielen eine übergeordnete Rolle im Gestaltungsleben. Als Nichtfarben gelten Weiß, Schwarz und alle Grautöne. Ich denke aber, dass man das auch anders sehen kann. Denn es gibt – man sollte es nicht meinen – unglaublich viele Weißtöne. Warum sollte das nicht als Farbe gelten?

Beiges Weiß, gelbes Weiß, blaues Weiß ... die Liste lässt sich lang fortsetzen. Mit zunehmender Berufserfahrung lege ich immer mehr Augenmerk auf solche Details. Es ist mir nicht mehr egal, in welchem Weißton die Decke gestrichen wird und ob die Wände in der gleichen Farbe oder doch lieber einem Tick anders gemalt werden.

Wenn ich das auf einer Party erzähle, ernte ich oft skeptische Blicke. Ich gebe zu, das ist auch ein bisschen pingelig – aber wofür brauchen Sie eine Expertin, wenn es eben keinen Unterschied machen würde? Und glauben Sie mir: es ist einer. Da Sie dies hier lesen, gehe ich davon aus, dass Sie nicht zu denjenigen mit den skeptischen Blicken gehören, sondern sich schon mal gefragt haben, warum die Waschküche immer so schäbig aussieht, obwohl sie doch im gleichen Jahr wie die Küche gestrichen wurde – und die ist noch tippi-toppi, obwohl da gekocht wird und alle durchtoben. (Es liegt an der Himmelsrichtung.)






wunderbares Weiß



Weiß ist wunderbar. Es bringt Ruhe und hat Strahlkraft. Es ist hell und verspricht Licht. Und es lässt sich mit wirklich allem kombinieren (außer mit dem falschen Weiß) und bringt die anderen Farben zum Leuchten.

Weiß ist eine solide, edle Basis. Es hat nicht umsonst einen Grund, dass die Wände häufig weiß gestrichen werden: es sieht gut aus und bereitet uns wenig Kopfzerbrechen. Den meisten Räumen steht Weiß hervorragend. Es ist hell, strahlt eine gewisse Sauberkeit aus, wirkt ordentlich. Außer auf Raufasertapeten – aber die machen sowieso alle Farben kaputt, auch Weiß.

Es wird immer, immer die weiße Küche, den weißen Kleiderschrank und das weiße Sideboard geben. Und ich persönlich würde in einem Mietobjekt auch weiße Türen statt der unsäglichen Billig-Holzimitatdinger vorziehen, aber das ist rar gesät. (Warum sind Türen eigentlich so oft aus Holz? Da die meisten Wände weiß sind, sind diese Türen eine große, optische Unterbrechung und machen die Räume noch kleiner.)

So lange ist diese Farbe aber noch nicht üblich. Bevor man Möbel industriell lackieren konnte, waren sie aus Holz. Erst in den 60er Jahren kam eine gute Lackoberfläche ins Spiel. Die Möbel wurden optisch leichter und ließen sich dank der homogenen Oberfläche einfacher kombinieren. Weiß war auch hier die unverfänglichste aller Farben.





RAL 9016 oder RAL 9010 – welches Weiß ist das richtige?



Das ist die Frage, die ich am häufigsten gestellt bekomme. Und die Antwort ist: es kommt darauf an.

Der aktuelle Weißton ist sehr hart. Oft wird RAL 9016 eingesetzt – ein wirklich strahlendes, fast blendendes Weiß. In den 1990er und 2000er Jahren war RAL 9010 – Reinweiß – das Weiß der Stunde. Wenn man nichts weiter bestellt hat als "weiß", bekam man diesen Farbton. Hält man ihn heute neben RAL 9016, sieht er geradezu vergilbt aus. Ist er aber nicht – wenn er für sich alleine steht.


Das hat auch etwas mit dem Licht zu tun. Halogenleuchten haben ein weicheres, wärmeres Licht als moderne LED. LED-Licht ist klarer, heller, härter. RAL 9016 ist für diese kühle Lichtstimmung gemacht. RAL 9010 dagegen wirkt unter LED-Licht leicht gelblich – unter Halogen war es die perfekte Wahl.

Für eine moderne, helle Einrichtung mit LED-Beleuchtung: RAL 9016. Für wärmere, gemütlichere Räume – oder wenn viel Holz im Spiel ist: RAL 9010. Und: Testen Sie unbedingt Farbmuster an der Wand, bevor Sie entscheiden. Der Unterschied unter verschiedenen Lichtverhältnissen ist enorm.



Was Weiß mit "Pure" und unserer Zeit zu tun hat


Das aktuelle Design-Diktat lautet: clean. "Pure" ist ein beliebtes Wort, wenn es um Firmenphilosophien geht – oder steht sogar ganz für ein Unternehmen. Und so ist auch die moderne Einrichtung häufig geradezu unterkühlt.

(Ich frage mich immer, wer so wohnt. In den Reportagen über Architektur, die ich natürlich anschaue, werden die Bauherren in ihren optisch durchaus reizvollen neuen Häusern interviewt. Alles ist aus Beton und Holz, die Wände sind weiß verputzt, die Fenster gehen über die gesamte Raumbreite – und es hallt. Kein Teppich, kein Vorhang, nur harte "pure" Oberflächen. Ich würde wahnsinnig werden. Man stelle sich vor, da laufen Kinder den ganzen Tag durch.)


Ich bin mir sicher, dass es auch an unserer bunten und komplexen Welt liegt, dass wir uns heute gerne mit "Purem" umgeben. Ähnlich wie bei Schwarz: es ist toll. Und für viele Dinge, die Sie sehr lange begleiten werden, sicherlich eine gute Wahl.

Aber gelegentlich langweilig, wenn man sich nicht ein bisschen Mühe gibt. Und tatsächlich gibt es Räume, wo Weiß nicht die ersehnte Wirkung hat: kleine, dunkle, nach Norden ausgerichtete Zimmerchen werden nicht wirklich heller, wenn man sie weiß streicht. Da helfen nur gute Leuchten – und eine starke Wandfarbe, um den Raum auf eine andere Art attraktiv zu machen.



Weißes Brautkleid und die Musselin-Krankheit



Weiße Brautkleider kamen erst in Mode, nachdem Königin Victoria von England 1840 in Weiß geheiratet hat. Zuvor trug die Braut das "gute", meist schwarze Sonntagskleid. Was für eine Verschwendung, nur für einen Tag ein Extra-Kleid zu haben. Die Mode setzte sich durch und hält sich bis heute.

Nach der Französischen Revolution trug die moderne Bürgerliche Weiß – und nicht das farbenfrohe, opulente Outfit einer Aristokratin. Weiß versprach Schlichtheit, Reinheit im Geiste. Wir vergessen dabei großzügig, dass es sehr viel Personal brauchte, um die weißen Kleidchen schön sauber zu halten.

Ungefähr zeitgleich gab es die sogenannte "Musselin-Krankheit". Kleider wurden modern, die sich an antike Tuniken anlehnten, lose herabfielen und eher Unterwäsche als gesellschaftsfähigen Kleidern ähnelten. Bevorzugtes Material: Musselin aus Baumwolle. Kein gutes Material für einen strengen Winter ohne Zentralheizung. Die Damen litten häufig an Lungenentzündung. Aber schick war es.



Weiß als Partner: Kontraste und Kombinationen


Mit Weiß erhalten Sie starke Kontraste – ähnlich wie bei Schwarz, nur dass es hier leuchtet und die Kombinationsfarbe eine ganz andere Wirkung erhält. Rosa mit Schwarz wird immer etwas "erwachsener". Mit Weiß bekommt es einen niedlichen Touch. Gelb ist mit Weiß sehr fröhlich – mit Schwarz hingegen eher aggressiv.

Sie sehen: auch Nichtfarben sind sehr wirkungsvoll und starke Partner. Die Kunst liegt darin, das richtige Weiß zu wählen – und das richtige Weiß für Ihren Raum, Ihr Licht, Ihre Möbel.


Sie haben Fragen zu Weiß, Farbe oder Ihrer Raumgestaltung? Genau das ist mein Fachgebiet – seit über 30 Jahren. Wenn Sie sich unsicher sind, welcher Weißton zu Ihrem Raum passt, ob RAL 9010 oder RAL 9016 für Ihre Situation die bessere Wahl ist, oder wie Sie Farbe in Ihren vier Wänden richtig einsetzen: Ich helfe Ihnen gerne weiter.

→ Schreiben Sie mir einfach eine Nachricht. Gemeinsam finden wir heraus, was Ihr Zuhause braucht.


Viele Grüße – Ihre NIC




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